Bevor Du eine Aushilfe als Minijob anmeldest, musst Du ihre weiteren Beschäftigungen kennen. Ohne versicherungspflichtigen Hauptjob dürfen mehrere Minijobs 2026 zusammen regelmäßig höchstens 603 Euro monatlich ergeben. Neben einem versicherungspflichtigen Hauptjob bleibt grundsätzlich nur der zeitlich zuerst aufgenommene Minijob von der Zusammenrechnung ausgenommen. Entscheidend ist deshalb nicht allein Dein vereinbarter Lohn, sondern die gesamte Beschäftigungssituation. Das erläutert die Minijob-Zentrale zu mehreren Beschäftigungen.
Dieser Leitfaden behandelt vor allem gewerbliche Minijobs mit Verdienstgrenze. Stand ist der 5. November 2026. Die Beispiele unterstellen gewöhnliche Arbeitnehmer ohne besondere Versicherungsfreiheit; bei Studierenden, Rentnern oder privat Krankenversicherten muss die Abrechnung die einzelnen Versicherungszweige gesondert beurteilen.
1. Andere Beschäftigungen schriftlich erfassen
Frage nicht nur: „Hast Du noch einen Minijob?“ Lass Dir alle Beschäftigungen mit Beginn, gegebenenfalls Ende und regelmäßigem Bruttoverdienst nennen. Erfrage außerdem Ausbildung, selbstständige Tätigkeit und Unterbrechungen eines bestehenden Hauptjobs. Die Minijob-Zentrale verlangt die Befragung bei Beschäftigungsbeginn und die Aufnahme des Einstellungsfragebogens in die Entgeltunterlagen; siehe ihre Arbeitgeberhinweise zur Mehrfachbeschäftigung.
- Beschäftigungen: Arbeitgeber, Beschäftigungsart und genaue Anfangsdaten festhalten.
- Entgelt: Laufenden Bruttoverdienst sowie vereinbarte Sonderzahlungen abfragen.
- Rentenversicherung: Bestehende Befreiung und eine gegebenenfalls beantragte Aufhebung erfassen.
- Änderungen: Bestätigen lassen, dass weitere Jobs, Entgeltänderungen und Beschäftigungsenden mitgeteilt werden.
Beschäftigte müssen die für Meldungen und Beitragszahlungen erforderlichen Angaben und Unterlagen liefern; bei mehreren Beschäftigungen gegenüber allen beteiligten Arbeitgebern. Grundlage ist § 28o Absatz 1 SGB IV. Praxisempfehlung: Lass offene oder widersprüchliche Angaben vor der Anmeldung ergänzen. Ein angekreuztes „keine weiteren Jobs“ ersetzt keine Nachfrage, wenn Dir bereits eine andere Beschäftigung bekannt ist.
2. Ohne Hauptjob die regelmäßigen Verdienste addieren
Ohne versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung werden die regelmäßigen Arbeitsentgelte der gleichzeitig ausgeübten Minijobs zusammengerechnet. Genau 603 Euro sind 2026 noch innerhalb der Grenze. Liegt die Summe regelmäßig darüber, verlieren alle beteiligten Beschäftigungen ihre Geringfügigkeit, nicht nur der zuletzt hinzugekommene Job. Sie sind dann grundsätzlich bei der zuständigen Krankenkasse statt bei der Minijob-Zentrale zu melden. Rechtsgrundlage ist § 8 Absatz 1 und 2 SGB IV.
Beispiel: Eine Aushilfe verdient bei einem anderen Unternehmen 280 Euro monatlich. Du möchtest ab 1. November 2026 weitere 300 Euro zahlen. Zusammen sind es 580 Euro: Beide Beschäftigungen können Minijobs bleiben. Vereinbarst Du stattdessen 350 Euro, ergeben sich 630 Euro. Ab Beginn der Überschneidung sind grundsätzlich beide Beschäftigungen versicherungspflichtig. Die Arbeitnehmerin muss deshalb auch den bisherigen Arbeitgeber informieren. Entsprechende Konstellationen zeigt die AOK zur Mehrfachbeschäftigung bei Minijobs.
Berechne nicht nur den Lohn des ersten Monats. Vorhersehbares jährliches Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gehört in die Verdienstprognose. Bei ganzjähriger Beschäftigung entsprechen beispielsweise 240 Euro zugesichertes Weihnachtsgeld zusätzlichen 20 Euro monatlich. Aus zunächst 590 Euro Gesamtverdienst können damit regelmäßig 610 Euro werden. Maßgeblich sind die Geringfügigkeits-Richtlinien, Abschnitt B 2.2.1.1 „Einmalige Einnahmen“. Einmalzahlungen dürfen nicht allein deshalb fehlen, weil sie ein anderer Arbeitgeber auszahlt.
3. Mit Hauptjob die Reihenfolge prüfen
Neben einem versicherungspflichtigen Hauptjob wird nur der zuerst aufgenommene Minijob nicht hinzugerechnet. Jeder weitere geringfügig entlohnte Nebenjob wird grundsätzlich in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung mit dem Hauptjob zusammengerechnet. In der Arbeitslosenversicherung erfolgt diese Zusammenrechnung nicht. Das gilt selbst dann, wenn beide Nebenjobs zusammen weniger als 603 Euro ergeben. Die AOK erläutert die Versicherungszweige und Meldewege.
Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat einen versicherungspflichtigen Hauptjob. Seit 1. März 2026 verdient er bei Arbeitgeber A monatlich 180 Euro. Bei Dir soll er am 1. November 2026 für 220 Euro beginnen. Obwohl die Nebenjobs zusammen nur 400 Euro ergeben, ist Deine Beschäftigung der zweite Nebenjob und grundsätzlich bei der Krankenkasse anzumelden. Arbeitgeber A behält den ersten Minijob. Die Beteiligten können die Reihenfolge nicht nach dem günstigsten Abrechnungsergebnis austauschen.
Praxisempfehlung: Dokumentiere Beginn und Ende jedes Nebenjobs auf einer kleinen Zeitachse. Wird später ein Hauptjob aufgenommen oder endet der bisher erste Nebenjob, lass die verbleibenden Beschäftigungen neu beurteilen. Auch längere Unterbrechungen können die Stellung als erster Minijob verändern. Die Geringfügigkeits-Richtlinien, Abschnitt B 2.2.2.2, behandeln solche Unterbrechungen. Bei identischen Anfangsdaten lass die Zuordnung vor der Anmeldung mit der zuständigen Einzugsstelle klären.
4. Diese Sonderfälle gesondert einordnen
Ausbildung, Krankengeld und Elternzeit
Eine Berufsausbildung zählt für die Zusammenrechnung als versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung. Ebenso kann ein Hauptjob während des Bezugs von Krankengeld oder Kurzarbeitergeld maßgeblich bleiben. Eine vollständig ruhende Beschäftigung während der Elternzeit ist dagegen anders zu behandeln; eine tatsächlich ausgeübte versicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung darfst Du dabei nicht übersehen. Selbstständigkeit ist nicht automatisch ein versicherungspflichtiger Arbeitnehmer-Hauptjob. Die Unterschiede erläutern die Minijob-Zentrale und die Deutsche Rentenversicherung zu § 8 SGB IV.
Mehrere Tätigkeiten beim selben Arbeitgeber
Zwei Tätigkeiten bei derselben rechtlichen Arbeitgeberperson bilden grundsätzlich ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis. Unterschiedliche Filialen, Aufgaben oder Verträge schaffen keine getrennten Minijob-Grenzen. Eine wichtige Ausnahme betrifft eine Berufsausbildung und eine zusätzliche geringfügige Beschäftigung aufgrund eines gesonderten Arbeitsvertrags im Ausbildungsbetrieb. Diese werden nicht zu einer einheitlichen Beschäftigung verbunden. Prüfe dafür Abschnitt B 2.1.1 der Geringfügigkeits-Richtlinien.
Kurzfristige Beschäftigung und unvorhersehbare Mehrarbeit
Ein Minijob mit Verdienstgrenze und eine echte kurzfristige Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber werden nicht zusammengerechnet. Die Voraussetzungen der Kurzfristigkeit müssen trotzdem eigenständig erfüllt sein; eine kurze Vertragslaufzeit allein reicht nicht. Siehe die AOK zum Nebeneinander beider Beschäftigungsarten. Ein planmäßig hinzukommender Dauerjob ist auch kein unvorhersehbares Überschreiten. Die Ausnahme des § 8 Absatz 1b SGB IV erlaubt nur unvorhersehbare Überschreitungen in höchstens zwei Kalendermonaten eines Zeitjahres, jeweils höchstens um nochmals die Geringfügigkeitsgrenze.
5. Rentenversicherung und Steuer getrennt entscheiden
Eine wirksame Befreiung von der Rentenversicherungspflicht gilt einheitlich für gleichzeitig ausgeübte Minijobs. Frage daher nach einer bereits bestehenden Befreiung. Seit 1. Juli 2026 kann sie einmalig für die Zukunft aufgehoben werden; die Aufhebung wirkt grundsätzlich ab dem Folgemonat der Antragstellung und ebenfalls einheitlich. Das regelt § 6 Absatz 1b und 6 SGB VI. Für einen durch Zusammenrechnung versicherungspflichtigen zweiten Nebenjob greift diese Minijob-Befreiung nicht.
Bei der Steuer gibt es keinen automatisch passenden Pauschalsatz für sämtliche Nebenjobs. Die einheitliche Pauschsteuer von zwei Prozent setzt die Voraussetzungen des § 40a Absatz 2 EStG voraus, insbesondere entsprechende Rentenversicherungsbeiträge des Arbeitgebers. Alternativ kommt die individuelle Besteuerung infrage. Fehlen diese Beiträge, kann unter den Voraussetzungen des Absatzes 2a eine Pauschalierung mit 20 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer möglich sein. Die Minijob-Zentrale erklärt diese Steuerwege. Lass die konkrete Wahl nach der sozialversicherungsrechtlichen Einordnung prüfen.
6. Anmeldung freigeben und Änderungen nachhalten
Praxisempfehlung: Gib die Anmeldung erst frei, wenn Fragebogen, Verdienstprognose, zeitliche Reihenfolge, Versicherungsbeurteilung und Steuerentscheidung zusammenpassen. Die Personalverwaltung beschafft vollständige Angaben; die zuständige Abrechnungsfachperson bestimmt Meldeempfänger und Beitragsgruppen. Halte fest, wer Änderungen entgegennimmt und vor der nächsten Abrechnung prüft. So bleibt eine später gemeldete Lohnerhöhung beim anderen Arbeitgeber nicht unbearbeitet liegen.
Wird ein weiterer Job erst nachträglich bekannt, ist nicht automatisch jede Abrechnung rückwirkend falsch. § 8 Absatz 2 SGB IV enthält für die nachträgliche Feststellung einer Zusammenrechnung eine besondere Regel zum Beginn der Versicherungspflicht. Sie schützt jedoch nicht bei vorsätzlich oder grob fahrlässig unterlassener Sachverhaltsaufklärung. Die Deutsche Rentenversicherung erläutert diese Grenzen. Lass deshalb Beginn und Korrekturbedarf durch die zuständige Stelle klären, statt eigenständig einen pauschalen Rückwirkungszeitraum anzusetzen.
Quellen und Rechtsgrundlagen
Quellenstand und Abrufdatum: 05.11.2026. Der Leitfaden ersetzt keine individuelle rechtliche oder steuerliche Prüfung.
- Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz, Gesetze im Internet: § 8 SGB IV, § 28o SGB IV, § 6 SGB VI und § 40a EStG.
- Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, Minijob-Zentrale: Mehrere Minijobs gleichzeitig; Arbeitgeberpflichten bei mehreren Jobs; Minijob mit Verdienstgrenze; Abgaben und Steuern.
- Spitzenorganisationen der Sozialversicherung: Geringfügigkeits-Richtlinien vom 5. Januar 2026, insbesondere B 2.1.1, B 2.2.1.1 „Einmalige Einnahmen“ auf Seite 20 und B 2.2.2.2.
- Deutsche Rentenversicherung, rvRecht: Gemeinsame Rechtliche Anweisungen zu § 8 SGB IV.
- AOK, Fachportal für Arbeitgeber: Mehrfachbeschäftigungen bei Minijobs.



